Erste Aktualisierung von 2015
Die zweite Aktualisierung erfolgte 2025. Dazu fand ein Praxisprojekt zum aktualisierten Expertenstandard in 27 Krankenhäusern, ambulanten und stationären Langzeitpflegeeinrichtungen und Wundzentren statt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen des 28. Netzwerk-Workshops am 27. Februar 2026 vorgestellt und wurden in dieser Ausarbeitung noch nicht berücksichtigt.
Der Expertenstandard bezieht sich überwiegend auf die häufigsten chronischen Wundarten in der pflegerischen Versorgung. Dazu zählen Wunden wie Dekubitus, der diabetische Fußulcus sowie das gefäßbedingte Ulcus cruris. Die Wundversorgung gilt als eine multiprofessionelle Aufgabe. Der Expertenstandard fokussiert dabei insbesondere den pflegerischen Beitrag bei der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden.
Definition
Eine chronische Wunde ist eine Wunde, die innerhalb von vier bis zwölf Wochen nach ihrer Entstehung nicht abheilt oder keine deutliche Heilungstendenz zeigt.
Merkmale und Einflussfaktoren:
- Wundart: Bestimmte Wunden sind besonders häufig chronisch, z. B. Dekubitus, diabetischer Fußulcus oder gefäßbedingte Ulzera (Ulcus cruris).
- Kontextfaktoren: Die Heilung wird von individuellen Umständen beeinflusst, wie Alter, Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes), Durchblutungsstörungen, Ernährung und Medikamenteneinnahme.
- Heilung: Mit fachgerechter Therapie kann die Wunde wieder eine Heilungstendenz entwickeln. Dazu gehören geeignete Wundauflagen, Druckentlastung, Mobilisation sowie medizinische und pflegerische Maßnahmen. (Vgl. DNQP 2015)
Die Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW) definiert chronische Wunden wie folgt: "Eine Wunde, die nach acht Wochen nicht abgeheilt ist, wird als chronisch bezeichnet. Unabhängig von dieser zeitlich orientierten Definition, gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch anzusehen sind, da Ihre Behandlung eine Therapie der weiterhin bestehenden Ursache erfordert. Hierzu gehören beispielsweise das diabetische Fußulcus, Wunden bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK), Ulcus cruris venosum oder Dekubitus." (ICW 2026)
Ziel
- Gesundes Selbstmanagement
- Wundheilung fördern
- Verbesserung der Lebensqualität
- Bessere Compliance
- rechtzeitige Einschätzung der individuellen Risikofaktoren von Bewohnern/Patienten
- Bewohner/Patienten sowie Angehörige informieren und beraten
- Pflegekräfte, Pflegeeinrichtungen sowie alle Gesundheitseinrichtungen durch einheitlich wissenschaftliches und fundiertes Wissen unterstützen
Patienten, Bewohner oder Klienten mit chronischen Wunden wie Dekubitus, Ulcus cruris venös oder arteriosklerotisch oder diabetischem Fußulcus erhalten eine zielgerichtete pflegerische Versorgung, die das individuelle Krankheitsverständnis berücksichtigt, die Lebensqualität fördert, die Wundheilung unterstützt und das Risiko für erneute Wunden reduziert.
Chronische Wunden beeinflussen den Alltag der Betroffenen erheblich und stellen häufige Symptome chronischer Erkrankungen dar. Typische Belastungen sind Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, Wundexsudat oder Gerüche, die zu einer deutlichen Verringerung der Lebensqualität führen.
Ziel der pflegerischen Versorgung ist es daher nicht nur, die Wunden fachgerecht zu behandeln, sondern auch Patienten, Bewohner und Angehörige professionell zu beraten. So können sie lernen, den Alltag mit der Wunde und deren Auswirkungen besser zu bewältigen, ein gesundes Selbstmanagement zu entwickeln und die eigene Lebensqualität zu verbessern. Gleichzeitig kann dies positive Effekte auf die Wundheilung haben.
Ein zentraler Bestandteil ist die regelmäßige Dokumentation und sachgerechte Beurteilung der Wunde. Durch diese Maßnahmen verändert sich auch die Sichtweise von Patienten, Bewohnern und Angehörigen auf ihre Erkrankung. Sie erhalten ein realistischeres Verständnis ihrer Situation, erkennen die Heilungschancen besser und können aktiv zur Verbesserung des Krankheitsverlaufs beitragen.
Zielgruppe
Der Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden lässt sich auf alle Personen übertragen, die sich in einer zeitweiligen, aber auch in einer langfristigen pflegerischen Fürsorge befinden. Die Ausübung findet in Krankhäusern, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie in Tagespflegen statt.
Eigene Darstellung in Anlehnung an DNQP 2015
Anwender des Expertenstandards
- Altenpfleger/in
- Gesundheits- und Krankenpfleger/in
- Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in
- Pflegefachfrau/Pflegefachmann
- alle, die einen pflegebezogenen Studiengang absolviert haben
Ablauf
Vorbereitung
Vor der pflegerischen Handlung erfolgt zunächst ein Beratungsgespräch mit dem Patienten/Bewohner/Klienten. Das Beratungsgespräch umfasst folgende Punkte:
- Informationen über die chronische Wunde
- Identifizierung der Risikofaktoren
- Relevant der fotografischen Wunddokumentation
- Verhalten und Umgang mit der chronischen Wunde
- Maßnahmen zur Wundheilung
Durchführung
Alle beteiligten Berufsgruppen sind über die Maßnahmenplanung informiert und gestalten diese ggf. mit.
Mögliche Maßnahmen:
- regelmäßige Pflegevisiten
- Ernährung anpassen
- Schmerztherapie
- Wund- und Hautpflege, ggf. Wundauflagen anpassen
- Hygienemaßnahmen (Körperhygiene, Wundhygiene, Bettwäsche)
- möglichen Juckreiz reduzieren und ggf. den Betroffenen ablenken, um Kratzen zu vermeiden
- Deprivationsprophylaxe
- ggf. Verzicht auf Alkohol und Rauchen
Evaluation
- Evaluation der ergriffenen Maßnahmen
- Anpassung der Maßnahmen, z.B. bei gesundheitlichen Veränderungen
Dokumentation
- Wunddokumentation
- ärztliche Verordnungen
- Aufklärungsgespräche
- Interventionsplanung
Ganzheitlicher Pflegeprozess bei chronischen Wunden
Eigene Darstellung in Anlehnung an DNQP 2015
Quellen
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.) (2015): Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden – 1. Aktualisierung 2015. Schriftreihe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege. DNQP: Osnabrück
Initiative Chronische Wunden e.V. (ICQ) (Hrsg.) (2026): Standards der ICW. Diagnostik und Therapie chronischer Wunden. Stand 01/2026. ICW: Quedlinburg

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